Der Himmel ist noch nächtlich dunkel. Die Sterne hell und klar. Die Straßenlichter glitzern auf den vereisten Oberflächen um mich herum. Klirrende Kälte. Friedliche Stille. Warten.
Der Zug naht begleitet von einem knisternden Geräusch, das an brennende Wunderkerzen erinnert. Es ist der Funkenschlag zwischen Stromabnehmer des Regional Express und der vom Eis bedeckten Oberleitung. Weihnachtsstimmung? Einsteigen. Wohlige Wärme umgibt mich.
Guten Morgen!

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Oder: ein Flo in Wien.

Foto: dpa

Ich kann mich erinnern als ob es gestern gewesen wäre, als ich mich vor gut 30 Jahren mit meinen Freunden hinter der Wohnzimmergarnitur und hoch gestapelten Polsterwällen gegen die Angriffe von Winnetous Feinden verbarrikadiert habe. Mit umgedreht gehaltenen Eishockeyschlägern im Anschlag haben wir das Feuer erwidert, das aus dem Fernseher kam. Wir hatten Glück – und leben noch immer. Alles Gute Pierre und danke.

Milky aWay


30.10.2012

Da surfe ich durch Nacht und Wind – im Bette längst sind Frau und Kind. Ich habe kein Ziel, die Matrix scheint sich vor meinen Augen zu entfalten – doch weit und breit kein weißes Kaninchen. Doch dann, in einer Linksammlung am Ende eines Esoterik Newsletters sticht mir eine Schlagzeile ins müde Auge. Klick.

Es ist folgender Link, der mich zu einem Inhalt führt, der mich für die nächsten Minuten an ein für mich neues Thema heranführt.
http://www.utopia.de/magazin/gesund-oder-schaedlich-fuenf-argumente-gegen-milch

Nun, ich liebe Milch… hm. Im Sommer ein Glas kalter Milch. Mensch, das kann etwas! Oder einfach mit nicht bescheiden eingerührter Ovomaltine schlemmen. Mit auf die Unterlippe zitternden Zähnen sauge ich Luft ein und ertappe mich dabei wie Hannibal Lecter  aus „Schweigen der Lämmer“ zu klingen.

Ich merke, wie meine inneren Gewohnheiten, Bilder und Wertigkeiten auf die Kontra-Milch-Argumente verteidigend reagieren. Nichtsdestotrotz gehe ich mit Gedanken über Änderung meines Milch-Trinkverhaltens zu Bett.

16.11.2012

Seit dem 31. Oktober trinke ich Kuhmilch nur noch im Kaffee wegen des Geschmacks. Vielleicht gelingt mir dieser Schritt auch noch. Ansonsten bediene ich mich beim Milch-Pur-Genuß nur mehr der Reismilch, die meine Partnerin schon seit mehr als einem Jahr zu sich nimmt und die interessanterweise auch im Test als beliebteste Milch-Alternative abschnitt. Zu kaufen gibt es den Alnatura Reis Drink übrigens in Österreich beim DM Drogerie Markt.

Warum das ganze jetzt plötzlich? Genau diese Frage hat mir meine Freundin auch schon mit einem subliminal kritischen Tonfall gestellt. Kein Wunder, denn als sie die Kuhmilch hinter sich ließ, wollte sie mich ebenso dazu bewegen. Doch ich war definitiv nicht soweit. Außerdem war es damals überhaupt kein Thema für mich. Da sieht man also wieder, dass alles seine Zeit hat.

Warum also? Meine Beweggründe liegen primär im Umstand, wie die Milch in unserer Zeit industriell gewonnen wird. Tiere leiden, Stoffe wie Antibiotika und Hormone sind mit im Spiel und die Haltbarkeit ist das Ergebnis unnatürlicher Prozesse. Und sekundär trieben mich gesundheitliche Überlegungen und vielmehr Gefühle hierzu meine Entscheidung voran. Ich stellte schon längere Zeit fest, dass meine Nase dicht machte, wenn ich vor dem Zubettgehen Milch trank. Meine Freundin bemerkte es ebenfalls, wenn ich bereits schlief und dies durch lautstarkes Schnarchen zeigte. Jetzt ist das nicht nur besser sondern einfach vorbei.

Ich bleibe dabei. Milky, Milky, Milky aWay.

Triple A


Leute, Leute! Was geht hier ab? Da gibt es ein paar Experten-Assistenten, die durch dickes Brillenglas auf die Bildschirme ihrer Wirtschaftsrechner starren und schauen, ob sich an den Werten zur Bonität unter anderem von Mister Brown, Frau Mayer und Österreich etwas ändert. Sie tun das unentwegt und fühlen sich dabei mindestens so wichtig, wie die Ordner am Eislaufplatz drüben im Central Park, die sofort eingreifen, wenn eines ihrer Schäfchen auch nur gegen die Fahrtrichtung blickt.

Und tatsächlich, da am Bildschirm schaltet eine Status-Ampel von Rot auf Gelb und dies mitten in Europa. Ein Doppelklick auf die Karte lässt den Assistenten in seinem Eifer einen Schauer der Glückseligkeit über den Rücken laufen. „Endlich passiert hier etwas, bevor ich wieder zur Abendvorlesung in die Uni muss.“ denkt er noch, während er das Land Austria entdeckt. Im Statusdetail erfährt er nun auch, dass die Bewertung von AAA auf AA wechselte. Deshalb die gelbe Ampel.
Pflichtbewusst druckt er den Statusbericht ein zweites Mal auf dem Farbdrucker aus, nachdem er auf  dem sparsamen Schwarz-Weiß-Ausdruck die Ampelfarben vermisst hatte. Zufrieden schlendert er zu seinem Head of Group, welcher sofort aufspringt und eiligen Schrittes mit dem Bericht zu seinem Head of Division geht. Dieser erkennt routiniert auf den ersten Blick, was hier los ist und hastet zur letzten Tür am Gang und klopft aufgeregt daran. Der Head of Location, der hinter der Tür schwer beschäftigt zu sein scheint, bittet ihn nach ein paar Sekunden herein. Als dieser den gesamten Inhalt auf dem Blatt Papier auf seine Richtigkeit geprüft hat, tätigt er einen Anruf. Während die Verbindung am anderen Ende der Leitung anklopft, deutet der HOL dem HOD, dass er die Türe von außen wieder schließen möge. Was ab da geschieht, weiß eigentlich keiner der bisher Beteiligten so genau.
Effekt ist jedenfalls, dass in den Abendnachrichten in Österreich bereits von der Herabstufung berichtet wird. Frau Pospisil blickt vom Fernseher auf ihre Handarbeit, zählt die Maschen und sieht zu ihrem Mann. Dieser erwidert den Blick, zuckt die Achseln und verfolgt weiter, wie Experten-Gremien des ORF diese Herabstufung interpretieren und die Auswirkungen auf die österreichische Wirtschaft, Politik, Europa und sogar die österreichische Seele analysieren. Die reden und reden und reden und analysieren und reden…
Herr Pospisil schaltet nach dem Wetter den Fernseher ab und überlegt, ob er am nächsten Tag seinen täglichen Spaziergang seit langem wieder einmal in die andere Richtung starten soll.

„Stop!“ dem Reklamemüll


23. November 2010

Es ist sechs Uhr abends und bereits vollständig dunkel. Wir haben Herbst. Ich parke meinen Wagen vor meinem Zuhause, schultere die Arbeitstasche und begebe mich zu den Briefkästen um die Post der letzten zwei Tage in Empfang zu nehmen. Kaum habe ich den Schlüssel im Schloss zum Öffnen des Postbehälters gedreht, springt die Tür – wie von kräftiger Geisterhand bewegt – auf. Es fallen zwei Kuverts auf den vom feucht-trüben Tag bewässerten Boden. Ein Blick ins Innere verrät mir, was da los ist. Nach zwei Tagen ist der Postkasten voller als voll. Da hat sich jemand sehr viel Mühe gegeben, auch wirklich alles rein zu tun, was mich persönlich und einen Haushalt angeht.

Ich brauche drei Hände und vier Kniebeugen, um dem unsortierten Papierhaufen Herr zu werden. Dann hab ich es endlich geschafft. Den Stapel auf einer Hand wie ein Tablett balancierend sperre ich den Briefkasten ab, die Haustür und schließlich die Wohnungstür auf. Hurra, ich mußte nur einmal Halt und lediglich zwei Kniebeugen machen, um den Stapel vollständig hochzutragen.

Nach fast zehn Minuten habe ich den Spreu vom Weizen getrennt und gehe nun an die magere Ausbeute sinnvoller Inhalte (oder so). Ein Brief von der Versicherung und ein Möbelhaus, dessen Einkaufskarte ich besitze, veranstaltet wieder einmal Yoga für Frauen. Wie zielgruppenorientiert finde ich denn das? Aber egal. Ich stehe auf, lege die Yoga-Einladung zum Sonderpreis auf den 34 Flugblatt hohen Papierstapel und befördere ihn so wie er ist in meinen Papiermüll.

Eigentlich ist es eine Vorgehensweise wie immer. Doch heute dämmert mir Bewußtsein am Horizont meines Alltags. Ich frage nach dem Sinn des ganzen Prozedere und finde keinen. Stattdessen ziehen folgende Gedanken wie Wolken an meinem inneren Himmelszelt vorüber:

  • wie oft kaufe ich Dinge, die ich nicht brauche, weil ich sie aus dem Reklamematerial zum supertollen Schnäppchen und „Must-have“ erkläre?
  • wie viel Zeit verbringe ich pro Jahr damit, Post zu sortieren?
  • wie viele andere tun das genauso?
  • wie viel Tonnen Papiermüll entsteht dadurch?

Tagsdarauf früh morgens beginne ich meinen Lösungsweg bei der Post. Dort frage ich nach einer Möglichkeit, wie man die Zustellung von Reklamematerial unterbinden könnte. Dies geht in Form eines Pickerls, das deutlich sichtbar am Postkasten angebracht werden muss. Doch das Pickerl bekommt man nicht bei der Post… Ich erhalte lediglich einen händisch zugeschnittenen Zettel mit folgender Info:

Postanweisung für Reklamestop

Na gut, wenn das „so einfach“ ist… an dieser Stelle werde ich wohl auf meine Entschlossenheit hin geprüft. Ich bestehe! Beide Kuverts liegen bereits beschriftet neben mir und ich bringe sie nachher gleich zur Post.

Mal sehen, wann das Pickerl kommt…

Nachtrag 30. Oktober 2012

Das Pickerl kam tatsächlich innerhalb einer Woche mit der Post. Ich benötigte genauso lang, wenn nicht sogar ein Euzerl* länger, um es letztlich tatsächlich am Postkasten-Türchen anzubringen. Warum? Na ja, es entstand ein komisches Gefühl beim Gedanken, nicht mehr in der Werbung schmökern zu können oder zumindest die Wahl zu haben es zu tun. Verrückt, nicht?

Es dauerte ein paar Tage, bis die wortwörtlichen Werbe-Träger das Pickerl wahrgenommen hatten und einige wenige Tage mehr noch, bis es ernst genommen wurde. Ehrlich zugegeben: die Werbung oder viel mehr das Ritual drum herum fehlte mir anfänglich spürbar, es dauerte aber nicht lange bis ich überhaupt nicht mehr daran dachte.

Bis heute funktioniert das Pickerl sensationell, sogar besser als der Spam Filter von Google und mittlerweile sind benachbarte Briefkästen ebenso beklebt. ;o)


* Euzerl (österreichisches Deutsch)
das, -s, –
ein Stückchen, eine kleine Menge von etwas, ein (klein-) wenig, ein bißchen
Quelle: ostarrichi.org

Motto


Um inneren Frieden zu erhalten, brauchst Du nur alle unvollendeten Dinge zu beenden, die Du begonnen hast.
[Herkunft leider unbekannt]

Weisheit


Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.
[Sören Aabye Kierkegaard]

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